MODE, MUT UND LEIDENSCHAFT

INTERVIEW BY ILMA MAGAZINE (© JULIA WADLE)

1. SEPTEMBER 2020

Funktionale und dennoch weibliche Sportmode: Soul & Passion. © Julia Wadle

Ausgelatschte Turnschuhe, ein schlabberiges T-Shirt oder die immer gleichen schwarzen Leggings: Das Sportoutfit vieler Frauen ist eher praktisch als schön. Warum eigentlich?

Keine Lust auf übliche Sportkleidung

Das haben sich auch die Freundinnen Anayansi und Isabel gefragt: Mehrmals die Woche powern sie sich beim Hot Yoga, Ballett, Crossfit, High Intensity Training aus; als Ausgleich zu ihren Bürojobs sind sie sogar als Kursleiterinnen für Aerial Hoop, Barre und viele andere Sportarten tätig.

Doch die übliche Sportkleidung? Darauf hatten sie keine Lust mehr. Bei einer gemeinsamen Reise nach Brasilien war den beiden gebürtigen Amerikanerinnen (Isabel kommt aus Kolumbien, Anayansi aus Panama) aufgefallen, wie viel schöner, lebensfroher und bunter sich die Frauen dort zum Sport kleiden.

„In Südamerika tragen die Frauen ganz andere Farben und Schnitte. Die Mode ist viel abwechslungsreicher als hier“, berichtet Isabel.

In einem Atelier ließen sie sich Kleidung nach ihren Vorstellungen nähen, zum Beispiel ein Body, der mit einem Reißverschluss und Rüschen zu einem funktionalen und dennoch weiblicheren Kleidungsstück wurde: „Darin fühle ich mich schön und sexy, auch wenn ich dabei Gewichte hebe“, erzählt Anayansi.

Ihre Begeisterung für Mode und Design und die Leidenschaft für den Sport konnten die Frauen darin vereinen. Und als dann immer mehr Rückmeldungen aus dem Familien- und Freundeskreis kamen, beschlossen sie im Jahr 2018: „Daraus müssen wir ein Geschäft machen.“

Nachhaltigkeit, Fairness, Umweltschutz

Dabei geht es ihnen nicht darum, große Mengen zu verkaufen oder möglichst viel Geld zu verdienen: Vielmehr war es ihnen wichtig, ihr Business auf Werten wie Nachhaltigkeit, Fairness und Umweltschutz aufzubauen.

Hergestellt werden die Kollektionen, die Anayansi entwirft, in einem Atelier in Kolumbien, betrieben von einer alten Freundin von Isabel. Dafür werden oft Reststoffe verwendet, die für große Modehäuser zu wenig sind, für die kleine Manufaktur dagegen perfekt passen.

Im Atelier sind alleinerziehende Mütter beschäftigt, die für ihre Arbeit fair bezahlt werden und sonst kaum Chancen auf dem Arbeitsmarkt hätten.

Preislich liegen die Stücke zwar etwas über dem Schnitt der Modeketten (Leggings für 70 Euro, Bodys für 60 Euro), doch die Wertigkeit und Qualität in der Produktion der Einzelstücke rechtfertigen das.

Verzicht auf Profi-Models

„Wir wollen Slow Fashion machen und lassen deswegen in einer kleinen Stückzahl produzieren, oft nur zwei Exemplare pro Größe“, erklärt Isabel.

Bei ihren Bodys, Leggins und Oberteilen kombinieren sie gerne verschiedene Trends und Stoffe miteinander und setzen auf starke Farben. Auf Ihrer Website verzichten die beiden Gründerinnen bewusst auf Profi-Models: Sie selbst oder Freundinnen präsentieren die Mode.

„Wir machen Mode für Frauen, die real sind, deswegen soll sie auch von Frauen wie dir und mir präsentiert werden“, erklärt Isabel.

Von der Idee bis zum Verkauf eines Kleidungsstücks dauert es drei Monate. Zwei Kollektionen gibt es jedes Jahr, „langfristige Mode statt kurzfristige Trends“ wollen sie damit bedienen, beschreibt Isabel.

Denn die Stücke sollen, so ist ihr Anspruch, so hochwertig, elegant und funktional sein, dass etwa die Bodys kombiniert mit einem Blazer auch als Alltagoutfit durchgehen.

Perspektivisch würden Anayansi und Isabel ihr Start-up gerne zum Hauptberuf machen, doch ganz ohne Druck. „Wir machen etwas, das wir lieben, und das sich auch flexibler mit meinem Leben mit zwei Töchtern verbinden ließe“, sagt Isabel.

Jetzt jedoch seien sie auch mit dem glücklich, was sie haben.

Soul & Passion – einen passenderen Namen hätte sich das Mannheimer Label kaum geben können.

Denn neben ihrer Leidenschaft für Mode und Sport treibt die beiden Frauen vor allem eines an: ihre tiefe Freundschaft.

Vor 13 Jahren lernten sie sich, nachdem sie der Liebe wegen nach Deutschland gekommen waren, in einem Sprachkurs der Abendakademie kennen. „Seit wir uns getroffen haben, haben wir uns nicht mehr getrennt“, meint Isabel.

Fotoshooting beim Studio Hotyoga 108 F Mannheim